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Trainer Spitzkegeliger Kahlkopf

psilocybinhaltig

Spitzkegeliger Kahlkopf erkennen und verwechseln

Psilocybe semilanceata

Woran man den Spitzkegeligen Kahlkopf (Psilocybe semilanceata) erkennt, welche kleinen braunen Pilze auf derselben Wiese stehen und warum Merkmale kaum reichen.

Aktualisiert:

Der Spitzkegelige Kahlkopf (Psilocybe semilanceata) ist ein kleiner brauner Pilz mit spitzem Hut auf einem sehr dünnen Stiel, der im Gras von Weiden und mageren Wiesen wächst. Er ist die bekannteste psilocybinhaltige Art Mitteleuropas. Eine Schweizer Untersuchung von über hundert europäischen Pilzarten fand nur ihn und den Gezonten Düngerling in Mengen, die in Mittel- und Nordeuropa tatsächlich vorkommen1.

Die Merkmale klingen eindeutig. In der Praxis sind sie es nicht, denn fast jedes davon teilt er mit anderen kleinen braunen Arten auf derselben Fläche.

Wie er beschrieben wird

Der Hut ist 0,5 bis 1,5 cm breit, spitz kegelig und trägt oben eine kleine Papille, ein Nippelchen. Feucht ist er dunkelbraun, glasig und klebrig, die Huthaut lässt sich abziehen. Beim Trocknen hellt er auf hell ocker auf; Pilzkundler nennen das hygrophan2.

Der Stiel ist nur 1 bis 2 mm dick, elastisch und je nach Grashöhe bis etwa 13 cm lang. Einen Ring hat er nicht. An der Basis ist er oft bläulich, und Druck am unteren Stiel kann innerhalb etwa einer Stunde eine blaue Verfärbung auslösen. Die Lamellen sind anfangs lehmbraun und werden dunkelbraun bis purpurlich; bei kaltem Wetter im Spätherbst bleiben sie manchmal blass, weil sich keine dunklen Sporen bilden. Das Sporenpulver ist dunkelbraun bis purpurbraun, die Sporen messen etwa 12 bis 16 mal 6 bis 8 µm2.

Wo und wann er wächst

Er lebt im Grasland von abgestorbenen Graswurzeln, auf Schaf- und Rinderweiden, auf ungedüngten Wiesen und gelegentlich auf Parkrasen, Sport- und Golfplätzen. Direkt aus Dung wächst er nicht, Wald und Kalkböden scheint er zu meiden. In Deutschland ist er in Tiefland und Mittelgebirgen verbreitet, in Österreich und der Schweiz auch auf Almen; im Schwarzwald wurde er in 820 bis 1300 m Höhe gefunden, in Tirol in 1400 bis 1700 m2.

Die Hauptsaison liegt zwischen August und Oktober. In milden Lagen erscheint er bis in den Spätherbst, vereinzelt bis Januar2.

Mit wem er verwechselt wird

Auf einer Weide im Oktober stehen selten nur Kahlköpfe. Die häufigsten Verwechslungen:

  • Kegeliger Düngerling (Panaeolus acuminatus): wird laut Literatur oft mit ihm verwechselt. Wie alle Düngerlinge hat er dunkles Sporenpulver2.
  • Halbkugeliger Träuschling (Stropharia semiglobata): auf gedüngten Flächen, ebenfalls dunkelsporig2.
  • Heu-Düngerling (Panaeolina foenisecii): der häufigste kleine braune Pilz auf Rasen, mit gesprenkelten Lamellen und ohne spitze Papille. Mehr dazu unter weitere Arten.
  • Kleine Risspilze (Inocybe): wachsen an Wegrändern und Grasstellen unter Bäumen und enthalten meist Muskarin. Siehe giftige Doppelgänger.
  • Samthäubchen und verwandte Arten (Conocybe, Pholiotina): kleine, zerbrechliche, ockerbraune Pilze mit rostbraunem Sporenpulver. Einzelne Arten enthalten Amatoxine.

Fachliteratur trennt den Spitzkegeligen Kahlkopf von den anderen dunkelsporigen Arten vor allem über die Lamellen, die zur Hutspitze hin fast parallel zur Hutoberfläche laufen2. Ein solches Merkmal sieht man nur, wenn man den Pilz aufschneidet und weiß, wie es aussehen muss.

Warum die Merkmale nicht reichen

Jedes Merkmal aus der Checkliste gibt es auch bei anderen Arten. Hutgröße und Farbe ändern sich mit Feuchtigkeit und Alter, die Papille kann fehlen oder abgebrochen sein, das Blau an der Stielbasis ist schwach oder gar nicht da. Wer nach Fotos aus dem Netz bestimmt, vergleicht zudem Bilder, deren Bestimmung niemand geprüft hat. Eine Forschungsgruppe hat 2022 94 Psilocybe-Belege aus Sammlungen per DNA nachbestimmt: Außer bei wenigen gut bekannten Arten waren die Bestimmungen weitgehend unzuverlässig, teilweise schon auf Gattungsebene3.

Ein polnischer Übersichtsartikel beschreibt das Muster: Bilder und Beschreibungen im Netz machen es sehr leicht, sich über Zauberpilze zu informieren, und führen unerfahrene Sammler zu Verwechslungen, oft mit tödlichem Ausgang4. Wie man vorgeht, wenn man einen Pilz wirklich bestimmen lassen will, steht unter Sicher bestimmen.

Rechtslage

Der Spitzkegelige Kahlkopf enthält Psilocybin und fällt in Deutschland unter das Betäubungsmittelgesetz, einschließlich der Pilze selbst. Wer ihn pflückt, erwirbt und besitzt ein Betäubungsmittel. In der Schweiz sind halluzinogene Pilze der Gattung Psilocybe ausdrücklich verboten, in Österreich ist der Anbau zu Rauschzwecken und die Weitergabe strafbar. Einzelheiten unter Rechtslage.

In den Niederlanden sind psilocybinhaltige Pilze seit Dezember 2008 ebenfalls verboten. Legal verkauft werden dort nur frische Trüffel, die unterirdischen Dauerformen anderer Kahlkopfarten. Mitnehmen nach Deutschland, Österreich oder in die Schweiz darf man sie nicht.

Quellen

  1. Stijve, T. & Kuyper, T. W. (1985): Occurrence of psilocybin in various higher fungi from several European countries, Planta Medica 51(5)
  2. Wikipedia: Spitzkegeliger Kahlkopf, mit Literaturangaben zu Merkmalen, Vorkommen und Verwechslung
  3. Bradshaw u. a. (2022): DNA authentication and chemical analysis of Psilocybe mushrooms, Applied and Environmental Microbiology
  4. Marciniak u. a. (2010): Poisoning with selected mushrooms with neurotropic and hallucinogenic effect, Medycyna Pracy 61(5)