Wilde Zauberpilze zu pflücken ist in Deutschland strafbar: Wer einen psilocybinhaltigen Pilz abschneidet und mitnimmt, erwirbt und besitzt ein Betäubungsmittel. In der Schweiz sind die betreffenden Pilzgattungen ausdrücklich verboten, dort ist auch der Konsum strafbar. Österreich hat eine eigene Vorschrift, die vor allem die Weitergabe und den Anbau erfasst. Stand dieser Seite ist der 13. Oktober 2026; sie ist keine Rechtsberatung.
Deutschland: seit 1998 erfasst
Psilocin und Psilocybin stehen in Anlage I des Betäubungsmittelgesetzes, der Liste der nicht verkehrsfähigen Stoffe1. Dass auch die Pilze selbst darunter fallen, regelt eine Klausel am Ende dieser Anlage. Sie kam mit der 10. Betäubungsmittelrechts-Änderungsverordnung, die am 1. Februar 1998 in Kraft trat, und erfasste „Pflanzen und Pflanzenteile“ mit gelisteten Wirkstoffen; die Begründung nannte als Beispiel ausdrücklich „Psilocybin in Pilzen“. 2001 wurden Pilzmyzelien ergänzt, seit dem 18. März 2005 spricht die Klausel allgemein von Organismen2.
Der Bundesgerichtshof hat 2006 entschieden, dass psilocybinhaltige Pilze schon in der Fassung von 1998 erfasst waren, obwohl Pilze biologisch keine Pflanzen sind2. Heute definiert das Gesetz als Stoff ausdrücklich auch „Pflanzen, Algen, Pilze und Flechten sowie deren Teile und Bestandteile in bearbeitetem oder unbearbeitetem Zustand“3. Frisch, getrocknet, wild oder gezüchtet macht keinen Unterschied.
Was strafbar ist. Nach § 29 BtMG wird bestraft, wer Betäubungsmittel ohne Erlaubnis anbaut, herstellt, mit ihnen Handel treibt, sie einführt, abgibt, erwirbt, sich verschafft oder besitzt. Der Strafrahmen reicht bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe oder Geldstrafe4. Pflücken ist Sichverschaffen, Mitnehmen ist Besitz.
Geringe Menge. Nach § 31a BtMG kann die Staatsanwaltschaft bei einer geringen Menge zum Eigenverbrauch von der Verfolgung absehen. Das ist eine Ermessensentscheidung ohne festen Grenzwert für Pilze5.
Pilze stehen lassen. Wer auf einer Wiese einen Kahlkopf sieht und ihn stehen lässt, macht sich nicht strafbar. Strafbar wird es, sobald er gepflückt und mitgenommen wird.
Österreich
Das Suchtmittelgesetz hat eine eigene Bestimmung für die Pilze. Nach § 27 Abs. 1 Z 3 SMG wird bestraft, wer „psilocin-, psilotin- oder psilocybinhältige Pilze einem anderen anbietet, überlässt, verschafft oder zum Zweck des Suchtgiftmissbrauchs anbaut“. Der Strafrahmen beträgt bis zu einem Jahr Freiheitsstrafe oder bis zu 360 Tagessätze, bei ausschließlich persönlichem Gebrauch bis zu sechs Monate oder 360 Tagessätze6.
Erwerb und Besitz der Pilze nennt diese Vorschrift nicht ausdrücklich. Psilocin und Psilocybin selbst stehen aber in Anhang V.1 der Suchtgiftverordnung und sind damit den Suchtgiften gleichgestellt7; für Suchtgift sind Erwerb und Besitz strafbar. Wie Gerichte einen selbst gepflückten Pilz im Einzelfall bewerten, können wir nicht verbindlich klären. Geh davon aus, dass du dich strafbar machen kannst.
Schweiz
Die Betäubungsmittelverzeichnisverordnung führt im Verzeichnis d, der Liste der verbotenen Stoffe, ausdrücklich „Halluzinogene Pilze der Gattungen Conocybe, Panaeolus, Psilocybe und Stropharia“8. Damit sind auch die Düngerlinge erfasst. Nach Art. 19 BetmG wird bestraft, wer Betäubungsmittel unbefugt anbaut, erwirbt oder besitzt, mit bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe oder Geldstrafe. Wer konsumiert oder nur für den eigenen Konsum handelt, wird nach Art. 19a mit Busse bestraft; in leichten Fällen kann das Verfahren eingestellt werden9.
Niederlande: Pilze verboten, Trüffel legal
Auch die Niederlande verbieten psilocybinhaltige Pilze, frisch und getrocknet, seit dem 1. Dezember 200810. Wilde Kahlköpfe pflücken ist also auch dort verboten.
Anders liegt es bei Trüffeln, den unterirdischen Dauerformen (Sklerotien) einiger Kahlkopfarten. Der Hoge Raad, das oberste niederländische Gericht, hielt am 10. April 2026 in einem Urteil zur Umsatzsteuer fest: „Magische truffels vallen niet onder de Opiumwet zodat zij vrij kunnen worden gekweekt en verhandeld“, also: Magische Trüffel fallen nicht unter das Opiumgesetz und dürfen frei gezüchtet und gehandelt werden11. Smartshops verkaufen sie frisch und vakuumverpackt an Erwachsene. Für getrocknete Trüffel gibt es keine solche Aussage.
Wer in Deutschland, Österreich oder der Schweiz wohnt, darf Trüffel nicht mit nach Hause nehmen. Nach deutschem Recht ist eine Trüffel ein Pilzteil mit Psilocybin und damit ein Betäubungsmittel; die Einfuhr ist nach § 29 BtMG strafbar34.
Trüffel wählen: nur für einen Aufenthalt in den Niederlanden
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Quellen
- Anlage I BtMG, Einträge Psilocin und Psilocybin sowie letzter Absatz
- Bundesgerichtshof, Beschluss vom 25. Oktober 2006, 1 StR 384/06, Volltext bei HRR-Strafrecht, Randnummern 8 bis 11
- § 2 BtMG, Sonstige Begriffe, Abs. 1 Nr. 1 Buchst. b
- § 29 BtMG, Straftaten
- § 31a BtMG, Absehen von der Verfolgung
- RIS: § 27 Suchtmittelgesetz, geltende Fassung
- RIS: Suchtgiftverordnung, § 1 Abs. 2 und Anhang V.1
- Fedlex: Betäubungsmittelverzeichnisverordnung (BetmVV-EDI, SR 812.121.11), Anhang 5, Verzeichnis d, Fassung vom 13. März 2026
- Fedlex: Betäubungsmittelgesetz (BetmG, SR 812.121), Art. 19 und 19a
- Staatsblad 2008, 486: Besluit van 17 november 2008 (niederländisch), Liste II des Opiumgesetzes
- Hoge Raad, Urteil vom 10. April 2026, ECLI:NL:HR:2026:450, Rn. 2.1 (niederländisch)
