Wer einen Pilz gegessen hat, den niemand sicher bestimmt hat, ruft den Giftnotruf an, und zwar sofort und auch dann, wenn es noch keine Beschwerden gibt. Bei Atemnot, einem Krampfanfall, Bewusstlosigkeit oder schweren Beschwerden gilt der Notruf 112, in Österreich und der Schweiz auch 144. Reste des Pilzes werden aufgehoben.
Bei Pilzen ist Abwarten die falsche Strategie. Die gefährlichsten Gifte, Amatoxine und Orellanin, machen sich erst nach Stunden oder Tagen bemerkbar1.
Giftnotruf-Nummern
Deutschland. Es gibt keine bundesweite Nummer; die Giftinformationszentren sind regional organisiert und rund um die Uhr erreichbar2:
| Giftinformationszentrum | Telefon |
|---|---|
| Berlin | 030 19240 |
| Bonn | 0228 19240 |
| Erfurt (Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen) | 0361 730730 |
| Freiburg | 0761 19240 |
| Göttingen (Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein) | 0551 19240 |
| Mainz (Rheinland-Pfalz, Hessen, Saarland) | 06131 19240 |
| München | 089 19240 |
Österreich. Vergiftungsinformationszentrale (VIZ) in Wien: 01 406 43 43, rund um die Uhr. Rettung 144, Euronotruf 1123.
Schweiz. Tox Info Suisse: 145, rund um die Uhr. Sanitätsnotruf 1444.
Was du am Telefon sagst
Die österreichische Vergiftungsinformationszentrale nennt die Angaben, die am Telefon helfen: was gegessen wurde und wie viel, Alter, Gewicht und Zustand der betroffenen Person, wann und wo es passiert ist. Fotos der gesammelten Pilze mit dem Fundort helfen ebenfalls; die VIZ kann sie an Pilzfachleute weitergeben3.
Sag ehrlich, wenn jemand Zauberpilze gesucht oder gegessen hat. Für die Einschätzung ist das wichtig: Ein psilocybinhaltiger Pilz und ein Gift-Häubling verlangen ganz andere Schritte. Ärztinnen und Ärzte unterliegen in Deutschland der Schweigepflicht5.
Reste aufheben
Die Deutsche Gesellschaft für Mykologie rät, Putzreste, Speisereste oder Erbrochenes sicherzustellen und dem Rettungsdienst oder der Ärztin mitzugeben6. Pilzsachverständige können daraus oft noch die Art bestimmen.
- Restliche Pilze, auch angeschnittene oder angetrocknete, in eine Tüte oder Dose legen und mitnehmen.
- Fotos vom Fundort und von den gesammelten Pilzen machen, wenn sie noch da sind.
- Erbrochenes in einem sauberen Gefäß aufheben.
- Notieren, wann gegessen wurde und wann die ersten Beschwerden kamen.
Was du nicht tun solltest
- Kein Erbrechen auslösen, keine Milch und kein Salzwasser geben. Ohne ärztliche Anweisung nichts essen oder trinken lassen6.
- Nicht selbst recherchieren, etwa mit Suchmaschine oder Pilz-App, statt anzurufen6.
- Nicht auf Besserung vertrauen. Bei einer Amatoxinvergiftung folgt auf Erbrechen und Durchfall am zweiten und dritten Tag oft eine scheinbare Erholung, während die Leber weiter geschädigt wird7.
- Niemanden vergessen. Alle, die vom selben Pilz gegessen haben, müssen Bescheid wissen, auch wenn es ihnen gut geht6.
Wenn jemand Zauberpilze gegessen hat und es schwierig wird
Ein starker Rausch mit Angst oder Verwirrung ist keine Pilzvergiftung im engeren Sinn, kann aber gefährlich werden. Bleib bei der Person, sorg für eine ruhige, sichere Umgebung und ruf den Notruf, wenn sie sich oder andere gefährdet, verletzt ist oder nicht ansprechbar. War der Pilz selbst gesammelt, ist der Giftnotruf in jedem Fall der richtige Anruf: Ob tatsächlich ein Kahlkopf gegessen wurde, weiß in diesem Moment niemand sicher. Welche Arten in Frage kommen, steht unter giftige Doppelgänger.
Quellen
- Deutsche Gesellschaft für Mykologie: Beschreibung, Symptome und Karenzzeiten
- Bundesinstitut für Risikobewertung: Giftinformationszentren in Deutschland
- Gesundheitsportal Österreich: Vergiftungsinformationszentrale
- Tox Info Suisse: Startseite mit Notfallnummer
- § 203 StGB, Verletzung von Privatgeheimnissen
- Deutsche Gesellschaft für Mykologie: Giftpilze und Vergiftungen
- Wikipedia: Pilzvergiftung, Phalloides-Syndrom
